Die Bildung von Schaum liegt vielen natürlichen und industriellen Prozessen zugrunde. Dieses Phänomen spielt sowohl im Alltag als auch in modernen Technologien eine wichtige Rolle und beeinflusst die Effizienz und den Ablauf verschiedener Prozesse. Das Verständnis der Mechanismen der Schaumbildung und ihres Zerfalls ermöglicht eine bessere Kontrolle ihrer Eigenschaften und Anwendung in der Praxis.
Schaum als Dispersionssystem
Schaum ist ein kolloidales System, genauer gesagt eine spezielle Art von Dispersion, bei der die disperse Phase aus Gas (in der Regel Luft) besteht und die Dispersionsphase (kontinuierliche Phase) aus einer Flüssigkeit oder einem Feststoff.
Wenn Gasblasen in einer Flüssigkeit suspendiert sind, entsteht eine leichte, luftige und formbare Substanz. In den meisten Fällen ist diese Art von Schaum nur vorübergehend und kehrt mit der Zeit in seinen ursprünglichen flüssigen Zustand zurück. Wenn der Flüssigkeit jedoch ein Stabilisator zugesetzt wird, kann sie deutlich länger im geschäumten Zustand verbleiben.
Wenn Gasblasen in einem Feststoff eingeschlossen sind, entsteht ein leichtes, schwammartiges oder festes Material, das je nach Bedarf leicht in verschiedene Formen gebracht werden kann.
Wie entsteht Schaum?
Die Schaumbildung in Flüssigkeiten ist ein relativ komplexer physikalisch-chemischer Prozess und umfasst mehrere Schritte:
- Der erste Schritt besteht darin, mechanische Energie von außen zuzuführen, um die Gasblasen in die flüssige Dispersionsphase zu pressen. Dies kann beispielsweise durch Rühren, Belüften oder plötzliche Druckänderungen geschehen. Es ist anzumerken, dass die zur Schaumbildung benötigte Energie umgekehrt proportional zur Oberflächenspannung der Flüssigkeit ist.
- Anschließend bewirkt der Dichteunterschied zwischen der Flüssigkeit und den entstandenen Gasblasen, dass diese sich in Richtung der Oberfläche der Dispersionsphase bewegen.
- Der letzte Schritt ist die Bildung sogenannter Lamellen. Dank ihnen verbinden sich die an der Oberfläche angesammelten Gasblasen nicht miteinander. Lamellen sind sehr dünne Flüssigkeitsmembranen, die zwischen zwei Schichten von dem System zugesetzten oberflächenaktiven Substanzen, z. B. Tensiden, eingeschlossen sind.

Wovon hängt die Stabilität des Schaums ab?
Schaum ist ein thermodynamisch instabiles System, und der letzte Schritt ist das Zerplatzen der Bläschen nach einer Verringerung der Gesamtflüssigkeitsoberfläche im System, was zu einer Verringerung der freien Energie führt.
Die Stabilität des Schaums wird von mehreren Faktoren beeinflusst:
Oberflächenspannung. Aus energetischer Sicht ist eine niedrige Oberflächenspannung vorteilhafter für die Schaumbildung, garantiert jedoch nicht dessen Stabilität. Bei niedriger Oberflächenspannung ist der Druckunterschied gering, die Ausströmgeschwindigkeit nimmt ab und die Flüssigkeitsschicht wird dünner, was die Stabilität des Schaums begünstigt.
Oberflächenviskosität. Ein entscheidender Faktor für die Schaumstabilität ist die Festigkeit der Flüssigkeitsschicht, die hauptsächlich durch die Dichte der Adsorptionsschicht an der Oberfläche bestimmt wird, gemessen an der Oberflächenviskosität.
Gasdiffusion durch die Flüssigkeitsschicht. Aufgrund des Kapillardrucks ist der Druck in den kleinen Blasen des Schaums höher als in den großen Blasen. Dies führt zur Gasdiffusion durch die Flüssigkeitsschicht. Infolgedessen kommt es zu einer Verkleinerung der kleinen Schaumblasen und schließlich zum Zerfallen des Schaums.
Vorhandensein von oberflächenaktiven Substanzen. Dank ihrer amphiphilen Struktur, die eine koordinierte Anordnung im Raum bestimmt, stabilisieren sie die Wände der Schaumblasen und begünstigen die Bildung weiterer Blasen.
Schaumbildende Eigenschaften von Tensiden
Die Bildung von stabilem Schaum in reinen Flüssigkeiten ist erheblich erschwert. Um dies zu erreichen, werden oberflächenaktive Substanzen, sogenannte Tenside, eingesetzt.
Tenside können die Bildung und Stabilisierung von Schaum durch verschiedene Mechanismen erleichtern:
- Verringerung der Oberflächenspannung: Tenside senken die Oberflächenspannung der flüssigen Phase und erleichtern so das Einfangen und Verteilen von Gasblasen in der Flüssigkeit, was zur Schaumbildung führt,
- Bildung eines Grenzflächenfilms: Tensidmoleküle adsorbieren an der Gas-Flüssigkeits-Grenzfläche und bilden einen zusammenhängenden und viskoelastischen Film, der die Gasblasen umgibt, deren Koaleszenz verhindert und den Schaum stabilisiert,
- Dilatationselastizität: Der von Tensiden gebildete Grenzflächenfilm weist eine Dilatationselastizität auf, die es ihm ermöglicht, Verformungen und Rissbildung zu verhindern, wodurch die Schaumstabilität zusätzlich erhöht wird,
- Elektrostatische und sterische Stabilisierung: Ionische Tenside können eine elektrostatische Abstoßung zwischen den Gasblasen bewirken, während nichtionische Tenside durch die Bildung einer Schutzschicht um die Blasen herum für sterische Stabilisierung sorgen können.
Es ist zu beachten, dass nicht alle Tenside die gleichen schäumenden Eigenschaften aufweisen. Diese hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter vor allem von der Tensidkonzentration, der Molekülstruktur, der Temperatur oder der Ionenstärke des Systems.

Die Bedeutung von Schaum in industriellen Anwendungen
Schaum ist in der Industrie ein leistungsstarkes technologisches Werkzeug, das – je nach Branche – entweder ein begehrter Träger für Wirkstoffe oder ein kritisches Problem ist, das die Produktion erschwert.
Besonders begehrt ist Schaum in Körperpflegeprodukten. Shampoos, Duschgels oder Gesichtsreiniger basieren weitgehend auf der schäumenden Wirkung von Tensiden. Der erzeugte Schaum unterstützt die effektive Verteilung des Produkts, verbessert den Anwendungskomfort und fördert die Entfernung von Schmutz von Haut und Haaren.
Die Schaumbildung ist ein ebenso vorteilhaftes Phänomen in der Lebensmittelindustrie. Schaumbildner, darunter Tenside, werden bei der Herstellung von Schlagsahne, Baiser oder Mousses eingesetzt. Diese Schäume beeinflussen die Textur und den Geschmack verschiedener Lebensmittel. Lebensmittel-Tenside wie Lecithin werden in diesen Anwendungen häufig verwendet.
Schaum ist auch ein wichtiger Bestandteil von Löschschäumen, die zum Löschen oder zur Verhinderung von Bränden eingesetzt werden. Diese Schäume bilden eine Barriere zwischen Brennstoff und Sauerstoff und ersticken so das Feuer. Die in diesen Schäumen verwendeten Tenside müssen einen stabilen, widerstandsfähigen Schaum erzeugen, der große Flächen bedecken kann.
In der Zellstoff- und Papierindustrie hingegen ist eine hohe Schaumbildung unerwünscht. In der Papiermasse eingeschlossene Luftblasen führen zur Bildung von „Löchern“ und Unebenheiten im fertigen Papierbogen, was dessen Festigkeit und Druckqualität drastisch beeinträchtigt.
Schaum ist auch in bestimmten Bereichen der maschinellen Reinigung unerwünscht, insbesondere bei Geräten, die in geschlossenen Kreisläufen gereinigt werden. Schaum ist komprimierbar, sodass er, wenn er beispielsweise in Pumpen gelangt, dort zu einer sogenannten „Luftansammlung“ (Kavitation) und einem Abfall des Reinigungsdrucks führt, was zum Ausfall einzelner Bauteile führen kann.