Von Shampoo bis Glyphosat, oder wo Chloressigsäure Anwendung findet

Veröffentlicht: 8-08-2017

Unter den Rohstoffen und chemischen Zwischenprodukten ist es möglich, Verbindungen mit einer sehr spezifischen und begrenzten Palette an Anwendungen zu unterscheiden. Dennoch haben einige davon ein breiteres Anwendungsspektrum. Deshalb finden sie in vielen unterschiedlichen Industriezweigen Anwendung.  Chloressigsäure, die wir uns ein wenig genauer anschauen sollten, gehört in die zweite Gruppe.

Chloressigsäure ist eines der wichtigsten Zwischenprodukte der chemischen Industrie. Chloressigsäure wird aufgrund ihrer hohen Reaktivität in vielen organischen Synthesen verwendet. Einschließlich, unter anderem, die Herstellung von Pflanzenschutzmitteln, Düngern, Kunststoffen, Waschmitteln, Farben und Lacken, Kosmetik und Körperpflegeprodukten. Chloressigsäure ist auch bei unterschiedlichen Prozessen in der Papier-, Pharma-, Lebensmittel- und Bergbauindustrie zugegen.

Die primäre Verwendung von Chloressigsäure ist die Herstellung von Carboxylmethylcellulose (CMC). Bis zu 30 % des weltweiten Ertrags an Chloressigsäure wird für diesen Prozess verwendet. Dieses Cellulosederivat wird in der Herstellung von Tapetenkleister, Waschmitteln, Seifen und als Verdickungsmittel in Dispersionsfarben verwendet. Es agiert als Verdickungsmittel, Weichmacher und Bindemittel bei der Herstellung von Keramik und sorgt zusätzlich für eine bessere Geschmeidigkeit der Glasur. In der Lebensmittelindustrie ist Carboxylmethylcellulose hinter dem Symbol E466 versteckt. In der Lebensmittelproduktion wird sie als Verdickungsmittel, Emulgator und Stabilisator verwendet.

Eine weitere Industrie, die Chloressigsäure verwendet, ist die agrochemische Industrie. Sie agiert als Zwischenprodukt bei der Herstellung von Wirkstoffen in dieser Industrie. Diese sind die Hauptbestandteile von Pflanzenschutzmitteln, die für den Pflanzenanbau unerlässlich sind, so wie Herbizide und Insektizide. Die folgenden Substanzen werden mit der Hilfe von Chloressigsäure hergestellt:

– 2,4-D (d. h., 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure),
– Dithiophosphorsäureester (z. B. Dimethoat),
– Chloressigsäurechlorid (CAC),
– Trichloracetylchlorid (TCAC),
– 2,4,5-Trichlorphenoxyessigsäure (2,4,5-T),
– 2-Methyl-4-chlorphenoxyessigsäure (MCPA),
– Phosphonate (z. B. Glyphosat – der Hauptbestandteil des beliebten Herbizids Roundup).

Chloressigsäure spielt ebenfalls eine Rolle in der Kosmetik- und Körperpflegeindustrie, da sie bei der Herstellung von Betainen, den amphoteren Tensiden mit Schäumungseigenschaften, die in Haarshampoos eingesetzt werden, Verwendung findet. Thioglycolsäure (TGA oder Mercaptoessigsäure), die ein Teil von permanenten Haarstylingformulierungen ist, wird ebenfalls durch die Nutzung dieses Produkts hergestellt.

Die Spezifität der Herstellung von Chloressigsäure führt dazu, dass das Endprodukt DCA (Dichloressigsäure) als Verunreinigung enthalten kann. Die Einführung eine zusätzlichen Reinigungsstufe ermöglicht den Erhalt von hochreiner Chloressigsäure. Aufgrund dessen kann sie in Syntheseprozessen, in denen eine besonders hohe Qualität der verwendeten Stoffe nötig ist, genutzt werden. Dies führt dazu, dass eine der einzigartigen Anwendungen von Chloressigsäure die Herstellung von Arzneimitteln ist, einschließlich Ibuprofen, Diclofenac, künstliches Koffein, Vitamin B6, Glycin und Malonsäureester. Darüber hinaus ist das Chloressigsäurederivat Chloressigsäurechlorid ein Vorprodukt von Adrenalin, auch Stresshormon genannt.  Adrenalin wird als Aufputschmittel bei Herzstillstand verwendet. Es ist zudem ein Antiallergikum bei anaphylaktischem Schock. Chloressigsäure alleine kann in Formulierungen zur Warzenentfernung verwendet werden.

Die Liste der möglichen Anwendungen von Chloressigsäure endet nicht hier. In der chemischen Industrie wird diese Verbindung als Zwischenprodukt bei der Synthese von Indigofarbstoffen und als Stabilisator bei der Verarbeitung von Polyvinylchlorid verwendet. Chloressigsäure wird ebenfalls bei der Herstellung vieler weiterer Chemikalien verwendet – Kumarin, Malonsäure, Cyanessigsäure oder EDTA, einem bekannten kationischen Komplexbildner.

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